Warum sich Photovoltaik und Wärmepumpe gegenseitig lohnen
Eine Wärmepumpe erzeugt keine Wärme aus Brennstoff, sondern verlagert vorhandene Wärme aus Luft, Erdreich oder Grundwasser ins Haus – und braucht dafür Strom. Wie viel, beschreibt die Jahresarbeitszahl: Bei einer JAZ von 3,0 werden aus einer Kilowattstunde Strom drei Kilowattstunden Wärme. Für die KfW-Förderung ist dieser Wert die Mindestanforderung.
In Zahlen bedeutet das für ein Einfamilienhaus: Der Jahresstromverbrauch steigt um etwa 4.000 Kilowattstunden, typischerweise von 4.000 bis 4.500 auf rund 8.000. Bei einem Strompreis um 30 Cent sind das gut 1.200 Euro zusätzlich pro Jahr – jedes Jahr, zwanzig Jahre lang.
Genau an dieser Stelle wird die Photovoltaikanlage interessant. Jede selbst erzeugte Kilowattstunde, die in die Wärmepumpe fließt, spart rund 30 Cent. Dieselbe Kilowattstunde ins Netz eingespeist bringt 7,70 Cent (Anlagen bis 10 kWp, Inbetriebnahme seit 1. August 2026). Der Unterschied ist der Faktor vier – und er ist der eigentliche wirtschaftliche Kern der Kombination. Nach einem Gesetzentwurf der Bundesregierung soll die feste Einspeisevergütung für neue kleine Anlagen ab 2027 ganz entfallen; der Eigenverbrauch, und damit ein großer Verbraucher wie die Wärmepumpe, wird dadurch noch wichtiger.
Dazu kommt ein zeitlicher Vorteil, der oft übersehen wird: Eine Wärmepumpe ist ein steuerbarer Verbraucher. Sie muss nicht heizen, wenn gerade Bedarf besteht, sondern kann Wärme dann erzeugen, wenn die Sonne scheint, und sie im Pufferspeicher oder in der Gebäudemasse zwischenlagern. Ein Energiemanagementsystem verschiebt den Betrieb gezielt in die Mittagsstunden. Bei einem Haushaltsgerät geht das nicht – bei einer Heizung schon.
Umgekehrt profitiert auch die Photovoltaikanlage. Ohne große Verbraucher liegt der Eigenverbrauch bei etwa 30 Prozent, der Rest wird für wenige Cent eingespeist. Eine Wärmepumpe hebt diesen Anteil deutlich – und macht die Anlage damit rentabler, ohne dass ein einziges Modul dazukommt.
Der Vergleich zur Gasheizung fällt entsprechend aus: Gegenüber einer Gasheizung sind über 800 Euro Heizkostenersparnis pro Jahr realistisch. Mit Energiemanager und dynamischem Stromtarif kommen bis zu 600 Euro jährlich hinzu. Die Anschaffung ist dennoch teurer als eine neue Gasheizung – das gleichen Förderung und Betriebskosten über die Laufzeit aus.
Ein Argument, das sich schlechter beziffern lässt, aber schwer wiegt: Wer heizt und fährt und dabei überwiegend eigenen Strom nutzt, ist von zwei Preisentwicklungen weitgehend unabhängig – der des Gasmarkts und der des Strommarkts. Bei einer Anlage, die zwanzig Jahre läuft, und einer Heizung, die ähnlich lange hält, ist das kein Randaspekt. Die Gasheizung bindet dagegen an einen Brennstoff, dessen Preis nicht in der eigenen Hand liegt und dessen CO2-Bepreisung planmäßig weiter steigt.
Voraussetzung für all das ist allerdings, dass die Wärmepumpe im Gebäude effizient arbeiten kann. Entscheidend dafür ist die Vorlauftemperatur: Je niedriger sie ausfällt, desto höher die Jahresarbeitszahl. Eine Fußbodenheizung ist ideal, aber keine Bedingung – auch großflächige Heizkörper kommen mit niedrigen Vorlauftemperaturen zurecht. Ob das im konkreten Haus funktioniert, zeigt die Heizlastberechnung.
Wie groß muss die PV-Anlage bei einer Wärmepumpe sein?
Eine pauschale Antwort auf diese Frage gibt es nicht – und wer eine gibt, rät. Maßgeblich ist der Gesamtstrombedarf aus Haushalt und Wärmepumpe zusammen, und der unterscheidet sich von Haus zu Haus erheblich.
Der Rechenweg beginnt beim Haushaltsverbrauch laut letzter Stromabrechnung. Dazu kommt der Bedarf der Wärmepumpe, der sich aus der Heizlast des Gebäudes und der erwarteten Jahresarbeitszahl ergibt – bei 4.000 Kilowattstunden Mehrverbrauch und einer JAZ von 3,0 entspricht das rund 12.000 Kilowattstunden Wärme. Ein E-Auto wird separat aufgeschlagen, niemals pauschal mit eingerechnet.
Als Zielgröße hat sich in der Praxis eine klare Regel bewährt: Die Anlage sollte zusammen mit Speicher und einem vernünftigen Energiemanagementsystem so viel erzeugen, dass die Menge, die übers Jahr zugekauft werden muss, ungefähr der Menge entspricht, die übers Jahr eingespeist wird. Vollständig geht diese Rechnung nie auf – die Sonne liefert im Sommer im Überfluss und im Januar kaum etwas, während die Wärmepumpe genau umgekehrt arbeitet. Zu einem sehr hohen Prozentsatz lässt sich das aber erreichen.
Diese Regel hat einen praktischen Vorteil gegenüber Faustformeln wie „1 kWp je 1.000 Kilowattstunden Verbrauch": Sie ist am Ende des Jahres überprüfbar. Der Zähler zeigt beide Werte, und wer deutlich mehr zukauft als einspeist, weiß, dass die Anlage zu klein dimensioniert wurde.
Für die Praxis heißt das meist: Anlagen, die ohne Wärmepumpe bei 8 bis 10 kWp gelandet wären, liegen mit Wärmepumpe eher im Bereich von 12 bis 15 kWp – sofern die Dachfläche das hergibt. Der Speicher wird entsprechend mitgeplant, weil die Wärmepumpe auch abends und nachts läuft.
Wichtig ist der zeitliche Ablauf: Wer beides innerhalb weniger Jahre plant, sollte die Photovoltaikanlage von vornherein auf den späteren Bedarf auslegen. Module später zu ergänzen ist möglich, aber teuer – Gerüst, Anfahrt und gegebenenfalls ein größerer Wechselrichter fallen ein zweites Mal an. Auch der Netzanschluss und die Anmeldung müssen dann erneut angepasst werden.
Begrenzt wird die Auslegung in der Regel nicht durch die Rechnung, sondern durch das Dach. Reicht die Fläche nicht für die gewünschte Leistung, lohnt der Blick auf Flächen, die sonst ungenutzt bleiben: Eine Ost-West-Belegung liefert pro Kilowattpeak zwar etwas weniger als eine reine Südausrichtung, verteilt den Ertrag aber über den Tag – morgens und abends, also genau dann, wenn im Haus tatsächlich verbraucht wird. Für einen Haushalt mit Wärmepumpe ist das häufig die bessere Kurve, auch wenn die Jahressumme etwas niedriger ausfällt.
Nicht vergessen werden sollte der Netzanschluss. Ab 7 kWp installierter Leistung sind Smart Meter und Steuerbox verpflichtend, und Wärmepumpen gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtung und werden beim Netzbetreiber gesondert angemeldet. Beides sind Formalien, aber sie brauchen Vorlauf und gehören in den Zeitplan.